Lebenslänglich. Freiheit verloren. Recht verloren.

67 der Staatsrat unter seinem Vorsitz die Abschaffung der Todesstrafe. Den An- lass bildeten internationale Forderungen z.B. im Rahmen der KSZE und der UNO sowie die gleichzeitig versuchte Annäherung an die SPD mit dem Papier „Der Streit der Ideologien und die gemeinsame Sicherheit“. Die bereits Hinge- richteten blieben als Opfer auf der Strecke! III. Politische Häftlinge im DDR-Strafvollzug 13. Zuchthaus Waldheim Bei meiner Ankunft war es mir diesmal keinen Augenblick lang ungewiss, wo ich mich befand. Während des Aussteigens wurde schon laut darüber disku- tiert, dass hier die berüchtigte Strafvollzugsanstalt Waldheim in Sachsen wäre. Obwohl die Wachmannschaft mehrmals Ruhe gebot, ließen sich die mit mir angekommenen Häftlinge davon nicht beeindrucken. Sie sprachen nur etwas leiser. Ich hörte zu, kannte aber niemanden. Mein Blick ging über den geräumigen Hof zu mittelalterlich anmutenden alten Häusern, alle mit starken Gittern gesichert. Rechts vom Eingang stand, direkt an der Mauer hoch aufragend, unverkennbar die Anstaltskirche. Den hinteren Abschluss bildete ein langes vierstöckiges Backsteingebäude, dessen Fenster wie aneinander gereihte Luken wirkten. Dahinter sah ich noch die Krone der hohen Außenmauer und mehrere Wachttürme. Den Horizont bildete eine be- waldete Hügelkette. Mir schien, von dort oben müsste man die kleine Stadt und das Zuchthaus im Talkessel überblicken können – von Wäldern umgeben, wie der Name Waldheim besagt. Ich konnte mich nicht lange umsehen. Alle Ankömmlinge mussten in eins der Häuser eintreten und wurden aufgeru- fen und gezählt. Dann ging es zum Einkleiden. Hierbei wurde ich zum ersten Mal abgesondert. Die anderen bekamen den anscheinend hier üblichen Anzug, eine alte Polizeiuniform, in deren Ärmel und Hosenbeine breite gelbe Streifen eingenäht waren. Ich erhielt mit der Bemerkung: „ Sie sind Lebenslänglicher, nicht wahr! “ etwa die gleiche Jacke und Hose, aber zusätzlich mit roten Strei- fen um einen Oberarm und um einen Oberschenkel. Auf diese Weise wurde ich besonders gekennzeichnet. Die Unterwäsche und die Decken für mich waren ebenso alt und grau wie die der anderen. Dazu bekamen wir Holzschu- he, wie sie mir aus der Untersuchungshaft bekannt waren, ein Paar fadenschei- nige graue Wollstrümpfe und – zu meinem Erstaunen – ein Paar Fußlappen. Diese Bekleidungsstücke, die wohl in Russland üblich sind, hatte ich noch nie

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