Lebenslänglich. Freiheit verloren. Recht verloren.

36 walt und einem Verteidiger möglich sein. Jedoch hier bin ich völlig rechtlos! Was erwartet mich noch? “ Seine Worte versetzten mich in Angst, denn man konnte mir vorwerfen, dass ich schon mit der Übermittlung von Berichten über allgemein bekannte Tatsa- chen und mit der Weitergabe von Texten, die für jeden Interessenten zugäng- lich waren, dem Sicherheitsbestreben der DDR-Regierung entgegenwirkte. Eberhard hielt das durchaus für möglich. Ihm selbst würden Vorhaltungen über Handlungen gemacht, die er entweder gar nicht vorgenommen hat oder aber keinesfalls als rechtliche oder auch nur moralische Verstöße ansieht. Zu den näheren Umständen schwieg er. Wir konnten unsere Gespräche bald nicht mehr fortsetzen, denn wir wurden plötzlich getrennt und in andere Zellen verlegt. II. Abschnitt: Anklage und Urteil 7. Bericht von jungen Bauarbeitern Für mich wurde am Ende des Kellergangs eine Zelle geöffnet. Sie war ebenso eng und mit Pritsche und Kübel ausgestattet wie die vorige. Diesmal saßen aber schon zwei Gefangene darin, ich kam als dritter. Wir waren etwa im glei- chen Alter. Bei der Begrüßung stellte sich gleich heraus, dass beide waschechte Berliner waren und erst vor drei Wochen verhaftet wurden. Sie hießen Olaf und Bert und erzählten, sie hätten eigentlich gar nichts gemacht, sondern wären nur mitgelaufen. Was das bedeutete, erfuhr ich dann durch vorsichtiges Fragen und konnte es zunächst nicht begreifen. Das Geschehen stellte sich schließlich für mich so dar: Nach vorhergegange- nen tagelangen Unruhen hatten am Mittwoch, dem 17. Juni 1953, die Bauar- beiter in Berlin gestreikt, weil ihre Arbeitsnormen von oben herab um 10 % erhöht wurden. Dagegen und für eine Verbesserung ihrer Lebensbedingungen demonstrierten sie – viele Arbeiter anderer Berufe folgten, Zehntausende gin- gen auf die Straße und stellten viele wichtige politische Forderungen. Die Volkspolizei war machtlos. Erst durch den massiven Einsatz sowjetischer Pan- zer wurden die Massen gewaltsam zerstreut. Mir wurde klar, dass ein großes Ereignis vorübergegangen war, ohne dass ich das Mindeste davon gemerkt oder geahnt hatte. Die totale Isolierung im U-Boot hatte sich als wirksam er- wiesen. Jetzt war mir auch klar, warum meine Untersuchung aussetzte, warum

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